Ein privater Sammler bat Anne für eine bestechend schöne, leerstehende und noch dazu zentral gelegene Fabriketage im Prenzlauer Berg eine kulturelle Zwischennutzung zu entwickeln. Sie konzipierte für die freien 500 qm ein inhaltliches Dach und sprach zusammen mit Felix Bachmann und Tobias Vetter insgesamt elf Künstler unterschiedlicher Disziplinen an, die sie sich für die interdisziplinäre Gruppenausstellung IN LIEBE, DIE LEERE wünschte. Das Thema der Leere (und der Langeweile als zeitliche Entsprechung) sollte als unverrückbaren Ausgangspunkt betrachtet werden. Der Blick aus unterschiedlichen Richtungen und verschiedenen Winkeln war ausdrücklich gewünscht. Es beteiligten sich u.a. Alicja Kwade, Gehard Demetz und Fritz Bornstück.
Es ist die Einsamkeit, die sich in ausnahmslos alle Reihen unserer Gesellschaft setzt. Das Wuchern der Wortlosigkeit scheint sie ebenso wenig aufzuhalten, wie die KI getriebene Fortpflanzung im digitalen Dickicht.
Neben meist unvermittelt auftretenden, dann heftig existierenden Lücken, die durch Wegzug, Streit oder Tod Löcher in den Alltagsteppich reißen, etabliert sich – heute mehr denn je – eine andere Art von Auslassung; es ist die, die im Miteinander mit sich selbst und mit anderen scheinbar plötzlich auftaucht oder aber sich leise an- und einschleicht, ausbreitet und auf vielfältige, bisweilen wundersame Weise zeigt.
Der Umgang mit diesen bedrückenden, bedrohlich nah heranrückenden Leerstellen, die in unsere Lebensrealität eingezogen sind, ist ungeübt. Unter Einsamkeit zu leiden ist schambehaftet; kaum jemand möchte sie haben oder gar zugeben, dass sie ihn befallen hat. Dass die Freundlosigkeit ihn heimgesucht hat; und seine Freunde dieses eben nicht mehr tun.
Die ungelenkte Zerstreuung findet – auch auf dem Beifahrersitz – keinen Platz mehr. Frei-Räumen, entstanden im Fahrwasser der Verspätungen anderer, wird das Zufällige genommen, die lernenden Applikationen optimieren das Dazwischen, die Filterblasen steuern den Zeitvertreib, die Überbrückung wird zur Hast. Das Feld der echten Begegnungen haben wir mehr und mehr verlassen, ungetrübt und ungeübt bleiben wir anderen fern.
Dieses Ohneeinander zeigt sich als ein sich selbst erhaltenes System, es scheint autark, mehr noch, es ist eines, das sich durch das stete Füllen von stiller Zeit beschleunigt. Ein Mitsichsein ist in manch einer Gesellschaft zu einem kaum mehr ertragbaren Zustand geworden.
So beschäftigt sich die Ausstellung mit der inhaltlichen und räumlichen Leere, mit der Langeweile als ihrer zeitlichen Entsprechung. Das Sichstellen, das Sichverbinden wird als Ausgangspunkt verstanden, es gilt, Distanzen gegen Freiräume zu tauschen, der schiere und scharfe Blick auf ihre Existenz ist geboten, ein Appell an ihre Bedeutung zugleich.
Ist es die Leere selbst, die uns in die Einsamkeit führt. Oder ist es vielmehr der unermüdliche Versuch, sie zu vertreiben, der als Folgeerscheinung unglücklich macht, und nicht selten die Vereinsamung mit sich bringt?
Das Verständnis über Bedeutung und Kraft eben dieses Zustands vereint die Beteiligten; etwas, das nicht gefüllt ist – Zeiten, Köpfe oder Räume – reizt sie, es ist kein Ertragen, nicht selten jedoch ein Provozieren und ein verordnetes Ausharren. Aber kann man sich auf das Gute der Leere verlassen?
Die Ausstellung selbst, also die lose Bespielung großer Freiflächen, folgt dem Wunsch, Zwischenräume als freie Räume zu sehen, und diese mit sich und anderen einzunehmen. Es bleibt Platz für Temporäres, den Widerhall von Menschen Gesagtes, für Klänge und freiwillig Gehörtes.