Berlin, September 2025

WAS, WENN ES GUT LÄUFT?

Im Rahmen der Berlin Art Week 2025 entwickelte Anne für die Bespielung eines Ausstellungsraumes die SZENEN DER UNENTSCHIEDENHEIT. Neben Simon Mullan, mit dem sie sich ein Zimmer teilte, beteiligten sich u.a. Jonathan Meese, Matthias Zinn und Jay Gard. Die Kuratorin Alina Mann hatte gemeinsam mit der Allianz rund 45 Künstler*innen zu einer Gruppenausstellung in die Joachimsthaler Straße 12 in Berlin ein. Gemeinsam widmeten sich die Beteiligten der Frage: Was, wenn‘s gut läuft?

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Dann gelang der Schritt raus – raus aus der Indifferenz, einem Zustand als Ausgangspunkt für alles Mögliche.

Dann ist eine Entscheidung gefallen, gefunden, getroffen worden – eine Entscheidung für das Gute, das so häufig verstellt, versteckt oder verschüttet daherkommt oder eben gar nicht kommt, sondern bleibt, wo es ist.

Sein Eintreffen, sein Sehen, das Wahrnehmen und Empfinden, überhaupt der Glaube an sein schlichtes Existieren ist – besonders in gesamtgesellschaftlich zornigen Zeiten – selten geworden.

Im viel beschwommenem Strom der Unentschiedenheiten erscheint uns das Gute nicht als solches, es wird stillschweigend vertuscht oder gar vielsagend verleugnet, unter der Wasseroberfläche gehalten, kaum hörbar befeiert.

Scheuen wir uns vor der Entscheidung, weil wir dabei Anderes in die Nichtbeachtung verbannen, über etwas hinwegsehen, das uns den Weg versperrt aber vielleicht doch zu uns selber führt?

In Komplexität und Undurchsichtigkeit der Gemengelage ist das Gute jedenfalls nicht ohne weiteres das Erwartbare, so fühlt sich sein offenbar zufälliges Eintreffen manchmal gar wie eine Enttäuschung an. Das Geschehenlassen greift um sich, nimmt nicht nur Teil sondern Überhand, schleichend verdrängt es das eigene Entscheiden.

Die Tage aber sind voll von diesen Möglichkeiten des Entscheidens, auch des Nächstens gibt es sie. Sie geben dem eigenen Sein, und sei es noch so begrenzt oder doch so weltumspannend, dem Erfüllen von sich selbst und seinen Verpflichtungen eine Richtung, sie bestimmen das Tempo von Fahrten und Beifang, kuratieren die Mitreisenden und manchmal tauschen sie sie aus.

Diese Situationen, reich an Alternativen, sind herkömmlich für jeden einzelnen und zugleich wohl niemals alltäglich und kaum trainierbar – ihre Flüchtigkeit meist täuschend echt, als Antwort das Pendel; es kommt zur Ruhe, der Geist folgt ihm, wenn der Alltag die Abzweigung nimmt, die Gabelung das Hürdendasein hinter sich lässt.

Oft kommt es vor; bei wacher Betrachtung eine Aneinanderreihung von Möglichkeiten im temporären, eigenen, luftigen Raum.

Wie überwinden wir die Indifferenz eines solchen Moments für uns?

Wie gelingt uns das Entscheidende?

Wie kommen wir ran an das Gute im Kleinen, in dem eine solche Kraft wohnt; eine Kraft, die in der Retrospektive etwas Bestätigendes, in der Gegenwart sogar etwas Aufbrechendes hat.

Wenn die Kraft der Entscheidung im Vergangenen eine milde ist, sie wie ein Pflaster oder eine Wolldecke wirkt, sie uns ihre umhüllenden, wärmenden, besänftigenden, zugleich (zu-)deckend Qualitäten leiht, was kann die im Jetzt getroffene Entscheidung für das Gute?

Besitzt sie nicht eine gestaltende Kraft, entspringt ihr nicht ein ungeheurer Veränderungswille, der uns packen kann?