Berlin, Mai 2026

ZUGEHÖRIGKEIT

»Ich spüre noch immer die Angst manch einer Begegnung, da kein Funke irgendeiner Zugehörigkeit in ihr wohnte – uns nichts verband, bevor das Bild entstand.«

Zugehörigkeit entsteht über Verbindungen, über sichtbare, über zugeschriebene, manche werden übermittelt über das Papier oder Generationen, viele über ein Gefühl – harsch, warm, zart oder uneindeutig.

Die Zugehörigkeiten leben im Miteinander, sie sind nichts Exklusives, beanspruchen das Absolute nicht. Es gibt unzählige von ihnen, sie können uns ein Netz sein, auffangen, ein doppelter Boden sein, uns schmeicheln, Ergebnis von harter Arbeit sein, häufig streben wir nach ihnen – als eine Antwort auf das Einsamsein.

Viele fühlen sich heimisch in einer digitalen Zugehörigkeit. Sie bewohnen virtuelle Orte, die mehr Hafen sind, als alle Räume, die sie außerhalb der Daten kennen, die mehr Teilhabe und Identifikation bieten, als alles, das sie im realen Draußen zu erfahren in der Lage sind.

Gleichzeitig gibt es Zugehörigkeiten, die kein Zuhause sind, mehr noch, eine Umkehr des Lieblingsorts. Sie verstören uns, zeugen von Schmerz, dokumentieren Verlust oder anhaltende Abwesenheit. Denn nicht immer ist Zugehörigkeit etwas Selbstgewähltes. Manchmal entspringt gar ein ganzes Entstehen einer grausamen Unfreiwilligkeit. Dann bietet das vertraute Gefühl der Zugehörigkeit keine Zuflucht und hält uns trotzdem. Erkennbar für uns, für andere oder für niemanden.

Was passiert, wenn eine Lücke klafft zwischen dem, was wir als unsere Lade gewählt haben, es als Ort unserer Identität annehmen und dem, wohin uns andere – wohlwollend, gleichgültig oder diskriminierend – sortieren? Wenn also die Zugehörigkeit nicht mit ihrem Empfinden einhergeht?

Wer entscheidet darüber, ob es sich um eine solche handelt? Der Blick von außen, der Unglückliche selbst oder nur der glücklich Dazugehörende?

Sprechen wir selbst überhaupt nur von Zugehörigkeit, wenn wir ihre Nähe suchen, sie gern haben und schützen, sie lieber lauter als leiser zeigen wollen, wenn sie uns ein Steigbügel ist?

Ist es möglich, Zustände, zu denen uns andere zugehörig machen, indem sie uns gebären, in etwas hinein, hineinwählen, definieren oder uns verleugnen, zu verlassen? Wenn wir Familien aufgeben, gehören wir ihnen dann noch an? Ob wir wollen oder nicht? Ob sie wollen oder nicht? Wie belastbar oder gar unlösbar sind Verbindungen, aus denen mal ein Verbund wurde? Behalten diese Allianzen eine lebenslange Legitimation der Zugehörigkeit?

Behalten sie ihre Gültigkeit – egal, was kommt?

Können wir jede Zugehörigkeit in eine temporäre Erscheinung verwandeln?

Ist ihr Verlassen oder ihr Erreichen leichter?

Wie beenden wir das Bleiben? Ist ihr Benennen und Anerkennen die Voraussetzung für ihr – temporäres oder gar langfristiges – Verlassen?

Ist ein Abschied immer ein Übertritt?

Wie lebt es sich in Koexistenzen, und gelingt uns das Wandeln und Handeln in Mehrsprachigkeit?

Kann man sich auch als Zaungast zugehörig fühlen?

Und was sagen und bedeuten uns fehlende Verbindungen? Verbindungen in Gesellschaften, Welten, zu anderen, Zugänge, die verschlossen bleiben. Können allein diese fehlenden Verbindungen ein Merkmal sein, das uns eine Zugehörigkeit zuschreibt – als radikale Form der Abgrenzung?

Können wir also dem Fehlen zugehörig sein? Kann man das Fehlen sehen? Oder kann man nur die Abwesenheit von Zugehörigkeit zwischen dem Fotografierten und dem, der die Kamera auslöst, erahnen?

Zu sehen sind Vermutungen, geäußert als bildliche Entsprechung, naheliegend, aber vage bleibend.

Weitere gezeigte Werke
Eindrücke aus der Ausstellung
Eröffnung
Galerie in der Rosa-Luxemburg-Straße
Galerie in der Rosa-Luxemburg-Straße
Galerist
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